Mauro de Candia stellt den Frauenhelden in den Mittelpunkt einer Choreografie

Die kleine, aber feine Ballettcompany am Staatstheater Cottbus, im vergangenen Sommer endlich wieder zur selbständigen Sparte geadelt, nähert sich einer neuen Geistesgröße aus der Kulturgeschichte Menschheit. Nach dem Komponisten Frédéric Chopin, der Malerin Frida Kahlo und dem Maler Pablo Picasso folgt nun der legendäre Frauenheld, Schriftsteller und Abenteurer Giacomo Casanova, der von 1723 bis 1798 gelebt hat.

Ballettdirektor Dirk Neumann hat als Choreographen den Italiener Mauro de Candia gewonnen. Einen Künstler, der in seiner aktiven Tänzerlaufbahn viele wichtige und auch schwierige Partien getanzt, als Choreograph u. a. für das Royal Ballet of Flanders, das Maggio Danza Florenz, das Milwaukee Ballet und das Staatsballett Berlin gearbeitet und international allerhand Preise abgeräumt hat. Ohne Vorschusslorbeer zu verteilen: sicher wieder, wie gewohnt, eine gute Wahl des hiesigen Ballettchefs.

Die Chemie stimmt jedenfalls. Mauro de Candia: „Ich habe mich riesig gefreut, als die Einladung von Dirk kam. Das Cottbuser Ballett hat einen hervorragenden Ruf, und hier zu arbeiten ist eine Ehre.”

Eines weiß Mauro, obwohl wir gleich am ersten Tag der Probenarbeiten miteinander sprechen: „Meine Choreographie zu Musik von Georg Friedrich Händel, Arcangelo Corelli, Arvo Pärt u.a.erzählt nicht die Biografie nach. Ich versetze mich in die Persönlichkeit des einseitig als Frauenheld und Schürzenjäger bekannt gewordenen Schriftstellers, Philosophen, Abenteurers und suche das Heutige in seinem Leben und, was, anders herum, bei uns noch so ist wie in seinem Leben.   Er war ja ein wahnsinnig intelligenter Mensch.” Es wird in seiner Choreographie deshalb keinen einzelnen Casanova als handelnde Person geben. „Ich forsche nach, was von Casanova in Männern und Frauen steckt. Denn Frauen sind genau solche und oft raffiniertere Verführerinnen.”

Mehr Botschafter einer großen historischen Persönlichkeit als ihr bloßer Chronist will de Candia also sein: „Die Menschen suchen auch heute die Verlockung und die Verführung. Das andere bleibt außen vor. Ich möchte über die menschliche Seite reflektieren, Fragen stellen und das Nachdenken wecken.” Klar, dass dabei #meToo, Genderfragen, Emanzipation, neue Technologien und unser Verhältnis zu ihnen in den Gesichtskreis kommen. Übrigens wird ein überdimensionaler Vogelkäfig nicht nur daran erinnern, dass Casanova als atheistischer Dissident eingekerkert worden ist, sondern auch daran, dass ein unangepasster Freigeist immer im Konflikt mit der Macht lebt.

Klaus Wilke
Titelfoto: Mauro de Candia. Foto: Peter Brekus

Termine
Premiere: 20. April, 19.30 Uhr, Kammerbühne
Offene Probe: 4. April, 19 Uhr, Kammerbühne

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