Seit dem August des Vorjahres ist Corey Neilson bei Weißwassers Eisfüchsen als Trainer in der Verantwortung. Mit einer lange im Fuchsbau nicht erlebten Erfolgsserie hat der Kanadier in der vergangenen Saison die Mannschaft in die Play Offs geführt. Womit der in diesem Monat 43 Jahre alt werdende Coach freilich Begehrlichkeiten für die am Freitag, den 13.September mit dem Heimspiel gegen die Freiburger Wölfe beginnende neue Spielzeit der DEL2 mit 14 Teams geweckt hat. Für den „Hermann“ stand der sympathische Ex-Profi schon vorab Rede und Antwort

Herr Neilson, Ihre Weißwasseraner Erfolgsstory ist bestens bekannt, Sie persönlich kennt man dagegen bisher weit weniger. Lassen Sie uns ein wenig an ihrem Lebensweg teilhaben, bevor Sie in die östliche Ecke Deutschlands kamen

Ich stehe als Person eigentlich ungern im Mittelpunkt, aber wenn es Ihr Wunsch ist, erzähle ich den Lesern einiges aus meinem Leben. Ich wurde in dem kleinen kanadischen Städtchen Oromocto in der Provinz New Brunswick geboren. Zu unserer Familie gehören mein Bruder Shane, sowie meine Halbschwestern Lynn und Janet. Um gleich mal auf die bestimmt folgende Frage zu antworten kann ich erzählen, dass ich als vierjähriger Junge angefangen habe Schlittschuh zu laufen und kurz danach auch mit Eishockey begonnen habe. Man kann sich das so vorstellen, dass ich mich von da an wirklich jede freie Minute im Hockeysport ausgetobt habe. Das heißt, im Sommer war es eben Straßenhockey und zur Winterzeit Eishockey auf einem zugefrorenen Teich in der Nähe unseres Hauses. Heimgegangen bin ich eigentlich nur dann, wenn ich Hunger hatte und wenn die Straßenlichter in der Nacht ausgegangen sind.

Spannung pur

Nach einer eissportlich derart intensiv geführten Kindheit war es wohl nicht überraschend, dass der Name Corey Neilson schon bald in den Formationen bekannter kanadischer Mannschaften aufgetaucht ist

Das wird wohl tatsächlich damit zusammenhängen. Von Nachteil war es sicher nicht, dass ich so intensiv in diese Sportart verliebt war. So kam ich schon im Teenager-Alter in den Männerteams unter und so wurde ich 1993 bei der OHL Priority Selection von den North Bay Centennials in der dritten Runde gedraftet. Bereits in meiner ersten Spielzeit in North Bay konnte ich helfen, den Ross Robertson Cup, die Meisterschaft der Ontario Hockey League zu gewinnen und wurde da zugleich in das First All-Rookie-Team der Liga gewählt, also ins Top-Team der Einsteiger. Danach war ich auch für andere Teams aus der OHL aktiv, Titelgewinne konnte ich dann allerdings nicht feiern. Erst als ich dann 1997 zu den Quad City Mallards gewechselt bin, war ich am Gewinn des Terry Cups und des Colonial Cups der United Hockey League beteiligt. In dieser Spielzeit absolvierte ich auch schon einige Spiele für die Portland Pirates in der American Hockey League.

Nach der Zeit in Kanada und Amerika ging es nach Europa, konkret nach Deutschland

Ja so war es, aber nicht etwa in die Hochburgen im Süden von Deutschland, denn ich bin im Norden kleben geblieben, beim EC Timmendorfer Strand in der Nordstaffel der 1. Eishockey-Liga. Das war damals die dritthöchste deutsche Spielklasse. Mit diesem Team haben wir zwar die Quali-Runde zur 2. Bundesliga erreicht, doch war dieser Schritt dann zu groß und wir sind gescheitert.

Sind sie aus der totalen Enttäuschung vom Scheitern 1999 wieder heim nach Nordamerika gegangen?

Vielleicht wäre ich in der zweiten Liga hiergeblieben, aber ich hatte ein Angebot, das recht lukrativ war. Deshalb habe ich die nächsten drei Jahre bei den Louisiana Ice Gators in der East Coast Hockey League gespielt, bevor ich dann 2002 in die United Hockey League zurückgekehrt bin. Gern erinnere ich mich an 2004, denn in dem Jahr wurde ich als „Verteidiger des Jahres“ in das First-All-Star-Team gewählt. Zwei Jahre danach bin ich wieder rüber nach Europa zu den Nottingham Panthers nach England, wo ich bis zum Ende meiner aktiven Zeit gespielt habe. Auch hier, wo ich 2008 zusätzlich auch den Trainerjob angetreten habe, gab es wieder reichlich Titel zu feiern, wie zum Beispiel auch 2013 die britische Meisterschaft. Außerdem war es uns gelungen, zwischen 2008 und 2013 fünf Mal den Challenge Cup der EIHL zu gewinnen.

Damit war der Weg geebnet für eine großartige Trainerkarriere. Die Sie nun doch überraschend ins kleine, beinahe beschauliche Weißwasser führte. Wie kam es denn zu diesem wohl eher außergewöhnlichen Engagement in der Lausitz?

Zum einen habe ich nach einer völlig neuen Herausforderung gesucht, nachdem es in Großbritannien für mich nichts mehr zu gewinnen oder zu erreichen gab. Darum bin ich im Sommer des letzten Jahres nach Deutschland gezogen. Die Stelle hier in Weißwasser war frei und mein Agent hat meinen Lebenslauf zu dem Verein geschickt. Danach gab es schon bald ein Vorstellungsgespräch mit Dirk Rohrbach und danach auch ein weiteres Gespräch mit Stephane Richter, der ja bei den Eisbären Berlin den Job als Sportdirektor hat. All das hat dazu beigetragen, dass mir dann sehr schnell klar war, dass ich genau diese Herausforderung brauche. Es klingt komisch, aber ich hatte bis dahin ja noch nie etwas von den Lausitzer Füchsen gehört. Zum anderen hatte ich schon immer großen Respekt vor der DEL2. Vor allem, weil sich in dieser Liga Spieler über die vielen Wettkämpfe recht gut entwickeln können, womit dann automatisch ihre Karriere-Chancen steigen.

Welchen Eindruck hatte Sie bei ihrem ersten Besuch hier in Weißwasser?

Ich bin ein einfacher Typ, so passt hier vieles zusammen. Weißwasser ist eine nette Stadt, wobei ich gar nicht glauben kann, dass dies tatsächlich eine Stadt ist. Weil vieles wirkt, wie ein Dorf mit vielen netten Menschen hier, die mir immer wieder sehr sympathisch entgegentreten. Und außerdem hat sich schnell gezeigt, welch exzellente Fans es hier gibt. Wirklich sehr beeindruckt war und bin ich immer noch vom Eisstadion und der gesamten Einrichtung. Die hier vorhandenen materiellen Bedingungen waren das eine. Aber noch viel mehr hat mich Dirk Rohrbach beeindruckt. Der weiß was er will, hat Visionen und ist ein Mann der Praxis. Kein Wunder bei seiner Spieler- und Trainerkarriere. Um ihn herum und um die Mannschaft kann er sich außerdem auf ein kompetentes und hilfreiches Personal verlassen. Da passt alles sehr gut zusammen, weil hier wirklich gute Leute am Werk sind, die viel Arbeit in alle Einzelheiten stecken.

Der nächste Spielzug – Planung ist alles im Eishockey.

Wie haben Sie nach ihrem Amtsantritt die DEL 2 mit der Erfahrung eines international erfolgreichen Eishockeycracks erlebt?

Ich meine, dass es eine gute Liga ist, sehr jung auch schnell. Mit Ausnahme vom Team der Bietigheim Steelers ist kein Schwerpunkt bei Systemen zu erkennen und es ist alles eher unstrukturiert. Wahrscheinlich wohl deshalb, weil die meisten Spieler noch so jung und unerfahren sind. Außerdem sind in dieser Liga nur vier Kontingent-Spieler erlaubt, dagegen sind es in Großbritannien 14. Was bedeutet, dass die dort spielenden Top-Teams um einiges besser sind.

Maßgeblich durch Ihr Wirken sind die Füchse in der letzten Saison nach vielen durchschnittlichen oder gar in Abstiegsangst lebenden Jahren nun qualitativ aufgerückt. Wie haben Sie die Saison hinter der Bande erlebt?

Mit dem Auftreten der Mannschaft und der damit verbundenen Leistung war ich in der abgelaufenen Spielzeit sehr zufrieden. Und ich bin ehrlich, ich war auch stolz darauf, was wir gemeinsam geleistet haben. Leider hatten wir doch am Ende ziemlich viel Pech. Meiner Meinung nach hatten wir die große Chance, die Playoff-Serie innerhalb von vier Spielen abzuschließen, um auf diesem Weg weiterzukommen. Nur bei Spiel Nummer fünf hatte ich das Gefühl, dass wir spielerisch unterlegen waren. Die anderen Spiele waren entweder ausgeglichen oder wir waren sehr viel besser.

Wieviel Optimismus und Mut vermitteln die finalen Spiele der Vorsaison für die neue Spielzeit?

Unser Ziel wird ja sein, sich jeden Tag als Personal und als Team zu verbessern, viele Spiele durch unterhaltsames Eishockey zu gewinnen um auf diesem Weg bestens vorbereitet und in einer allseits perfekten Verfassung in die Playoffs zu gehen. Auch wirtschaftlich ist alles ok, denn Geschäftsführer Dirk Rohrbach konnte ja dieser Tage stolz vermelden, dass die Lizenz für die Saison ohne Auflagen erteilt wurde. Und er sich darüber freut, dass wir gemeinsam mit unseren Fans in die neue Saison starten können. Dazu will auch ich an dieser Stelle einmal allen Sponsoren und den sonstigen Unterstützern des Clubs für deren Unterstützung danken. Wir haben für die Zeit vor der neuen Saison eine Reihe von zehn Testspielen vereinbart, die am Sonntag, den 11. August um 16 Uhr mit dem Duell gegen die Eisbären beginnt.

In der Sommerzeit läuft in vielen Mannschaftssportarten die Wechselzeit. Welche Spieler können die Fans als Neuzugänge begrüßen?

Mit Darcy Murphy kommt von den Belfast Giants aus der englischen Liga der Topscorer der EIHL zu uns. Der 26-jährige Offensiv-Mann wird unsere Angriffsreihen ganz sicher verstärken. Immerhin hat der ja in der letzten Saison über 100 Scorerpunkte gesammelt und als bester Scorer der Liga konnte er bei seinen 79 Einsätzen 50 Tore machen. Ebenfalls viel Erfahrung bringt Ondrej Pozivil mit seinen 32 Lebensjahren von den Ravensburg Towerstars mit, der unsere Defensive verstärken sollte. Vom gleichen Club haben wir Stürmer Daniel Schwamberger verpflichtet, auch der stammt aus Tschechien. Der 24-Jährige besitzt beide Staatsbürgerschaften und hat bislang reichlich DEL2-Erfahrung gesammelt, er hatte bis zu seinem Wechsel 156 Spiele für die Towerstars absolviert. Genau 13 Mal hat er in der tschechischen Auswahl U19 gespielt und in der Spielzeit 2018/19 konnte er für Ravensburg bei 67 Einsätzen acht Tore erzielen. Übrigens kann dieser Daniel Schwamberger sogar schon einen DEL-Einsatz bei den Schwenninger Wild Wings nachweisen.

Mit Leon Fern kommt ein Verteidiger von den Essener Moskitos, hinzu kommen dann noch zwei Spieler von den Berliner Junioren-Eisbären. Julius Karrer und Lukas Reichel besitzen die Förderlizenz der Eisbären und werden als 19- und 17-jährige Boys bei uns Spielpraxis bekommen und sich damit weiterentwickeln. Bei Lukas Reichel kann man von einem absoluten Talent reden. Vier U17-Spiele, danach sogar 18 Einsätze für die Deutsche U18 und kürzlich hatte er schon in der Auswahl der unter 20-Jährigen ein Spiel absolviert. Da wächst einer heran, den wir gern auf seinem Weg fördern.

Erfahrungen mit solchen Talenten hatten wir ja schon im Vorjahr sammeln können, als der 35-malige U18-Nationalspieler Deutschlands Nino Kinder und Erik Mik bereits zwei Förderlizenzspieler der Eisbären für unser Team spielberechtigt waren. In Planung ist zur Stunde noch die Verpflichtung eines weiteren Torhüters und zwei Kontingentspieler, die dazukommen werden, komplettieren dann das Füchse-Team Weißwasser in der DEL2-Saison 2019/2010.

Sie selbst sind in der nun hinter uns liegenden Sommerpause kaum zur Ruhe gekommen. Nicht ausgiebige Urlaubsreisen waren der Grund dafür. Eher lag es an Ihrem Willen, sich in ihrer geliebten Sportart mit Gleichgesinnten zu treffen und neue Erfahrungen zu sammeln …

Das haben Sie sehr gut beschrieben, denn es war tatsächlich so, dass es die großen Events waren, die mich in den zurückliegenden Wochen ein gutes Stück weitergebracht haben. Da stand zunächst Anfang Juni das Development Camp der Eisbären Berlin auf dem Plan. Danach ging es zum Development Camp der LA Kings in die USA. Unter Regie der Trainer der LA Kings werden dort Nachwuchsspieler und junge Talente getestet und können sich mit ihrem Können beweisen. Für mich ist der Besuch dort eine großartige Erfahrung, gemeinsam mit den Talentförderern der Los Angeles Kings, dieses Camp zu absolvieren. Weil es eben für alle Trainer neue Anregungen und Ideen vermittelt, die dazu dienen, das eigene Training zu bereichern und dieses auch zu verbessern. So hoffe ich, dass meine besonderen Urlaubsreisen am Ende auch unserem Eishockeysport positive Entwicklungen vermitteln können.

Am Ende danke ich Ihnen Herr Neilson für das nette und ausführliche Gespräch. Für die bald beginnende neue Saison wünsche ich Ihnen, dass sich Ihre Vorstellungen vom modernen Eishockey erfüllen und Sie mit Ihrer Mannschaft die große Schar der Fans aus Weißwasser und Umgebung mit vielen Siegen begeistern können.

Danke, wir werden uns bemühen, diese Wünsche zahlreich zu erfüllen.

 

Das Gespräch führte Georg Zielonkowski

 

 

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