Aufmerksame Lesende und Hörende der regionalen Medien werden es sicher mitbekommen haben: Sylvius Hermann Graf von Pückler ist am 18. Mai im Alter von 77 Jahren verstorben. Cottbus trauert um einen Münchner Unternehmer. Um das zu erklären, reicht es kaum, darauf zu verweisen, dass er der Großneffe des Fürsten Hermann von Pückler-Muskau (1785 – 1871) war, bekanntlich Schöpfer des hiesigen Branitzer Park. Die Erbengemeinschaft Pückler ist groß, Hermann Graf von Pückler sticht jedoch bedeutend hervor.

Dabei ist die Geschichte wechselvoll. Er verbrachte seine früheste Kindheit im Branitzer Schloss – eine Zeit, an die sich der Graf stets schwärmerisch zurückerinnerte. 1945 jedoch flieht die Familie und lässt dabei ihren Besitz zurück, welcher nur wenig später zum Volkseigentum erklärt wird. In München schließlich erarbeitet er sich eine erfolgreiche Karriere und steigt in die oberen Riegen der CSU auf. Während all dieser Jahre spielte für ihn Branitz kaum eine Rolle. Wie er selbst berichtete, war sein erster Besuch Mitte der 1980er Jahre mit wenig Emotionen verbunden.

Nach der Wende ändern Besuche und viele Gespräche mit Branitzern seine Einstellung. Er kaufte Teile des Landes zurück, sanierte das heruntergekommene Parkinspektorenhaus und machte es zu seinem Branitzer Wohnhaus, er reorganisierte örtliche Betriebe, baute einen Forstbetrieb auf und sanierte den Kindergarten. Graf Pückler wurde zu einem prominenten Botschafter des Branitzer Park und nutzte seine politischen Einflussmöglichkeiten, um wichtige Entwicklungsschritte der heutigen Stiftung zu unterstützen.

Graf Pückler hatte wie Fürst Pückler seine Ecken und Kanten, aber, und das ist viel wichtiger, er war jemand mit Gestaltungswillen und mit Humor – wie sonst ist zu erklären, dass er zum Namenspatron eines Stadtmagazins wurde. Gesellschaftliche Verantwortung übernehmen und an den Entwicklungsprozessen eines Ortes, einer Region teilnehmen, bei Graf Pückler wirkte dies wie selbstverständlich. Eine bemerkenswerte Haltung, die ihn wirklich zum Erben Pücklers gemacht hat und die auch uns inspirieren sollte. Gehen wir hinaus, begegnen wir uns und gestalten gemeinsam unsere Stadt – im Großen wie im Kleinen!

Sabrina Kotzian

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