Nach einem Kurzausflug ins benachbarte europäische Ausland scherte, kurz nach dem Ortseingangsschild meiner Geburtsstadt Forst, ein sattgrün lackierter VW-Bus mit grell leuchtender Aufschrift „Zoll“, reichlich überhöhter Geschwindigkeit und einem gewagten Überholmanöver ein und zwang mich mit wilden Hand- und Kellenzeichen zum Anhalten. Es war kurz vor Mitternacht, nur ein weiteres Auto befand sich auf der von hochgeklappten Bürgersteigen umsäumten Straße – meins. „Fahrzeugpapiere und Ausweis, bitte“, rief der eine freundliche Kollege, während der andere mit Hand an der Schusswaffe der Szenerie einen besonders sicheren Anschein gab. Die Herren wiesen sich nicht aus. Stattdessen: „Kofferraum öffnen.“ Ich folgte. Dann hub der Eine an: „Wasn das fürn Name. Is nich von hier?“ und sah mich von unten herab an. Seine 1,75 reichten an meine 2,03 nicht heran, weshalb er auch aus sicherer Entfernung zu mir sprach. Währenddessen fand sein Kollege im Auto nichts, was ihn zu einer Anzeige hätte ermächtigen können. Was ihn sichtlich betrübte. Ich frage: „Sagt mal, wo kommt ihr denn her? Garantiert nicht aus Forst. So eine Frage habe ich vor 35 Jahren zuletzt gehört, als ich das erste Mal allein die Stadt verlassen habe. Wie sind denn eure Namen?“, fragte ich. „Schönen Abend noch“, sagte der Eine. „Warum haben Sie mich eigentlich angehalten, war sonst nichts zu tun?“, fragte ich noch so in den Raum hinein. „Sie waren das einzige Fahrzeug weit und breit. Wir hatten sonst nichts zu tun“, antwortete der Andere, wie aus der Pistole geschossen. Sie stiegen ein und brausten davon. Wahrscheinlich haben sie mit d e r Geschwindigkeit auch noch den einen anderen Fahrzeugführer ausfindig gemacht, der in dieser Nacht sein Gefährt in dieser Stadt durch die einsame Nacht gesteuert hat. Schön zu wissen, dass man, auch wenn man sich ganz allein fühlt in einsamer Nacht, nie allein und der Zoll nur einen VW-Bus weit entfernt ist.

Heiko Portale

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