Stadtmuseum Cottbus zeigt den Spreewald im Blick Fontanes und einiger literarischer Nachfahren

Nach Cottbus ist Theodor Fontane wohl nie gekommen. Aber der Spreewald war für ihn „ein landschaftliches Kabinett-Stück”. Da die Cottbuser aber den Spreewald lieben und ihre Stadt als ein Tor zu ihm ansehen, hat eine Ausstellung zum 200. Geburtstagsjubiläum des bedeutenden Romanciers, Dichters und Publizisten durchaus ihre Berechtigung.

Wer den Ort der Schau im Stadtmuseum betritt, sieht seinen Weg zunächst von Landschaftsbildern zeitgenössischer Maler gesäumt, Leihgaben von Kooperationspartner Wendisches Museum, Blick in die Landschaft, Bauernstube, Kürbisernte, Frühlingsimpression. Eindrücke, wie sie wohl Fontane hatte, als er von Lehde als der „Lagunenstadt im Taschenformat” schrieb. Das war am  6. August 1859, als er mit drei Freunden in der Nachtpostkutsche angekommen war.

 In einem Teil der  Ausstellungsvitrinen findet man Dinge, mit denen die runzligen Alltagshände der Spreewälder   ihr oft sehr anstrengendes Tagewerk verrichtet hatten und deren Zweck und noch weniger Bezeichnung wir heute kaum noch benennen können. Interessantes Wieder-Kennenlernen von Klopfeisen, Gehrungssäge, Reuse, Fischspeer u.a. Andere Vitrinen zeigen, was – im Gegensatz dazu – Touristen, Gäste, Besucher gern mit nach Hause nehmen: Briefbeschwerer, Regenschirme, Spazierstöcke, Sammeltassen, Eierbecher, Fingerhüte, alle ausgestattet mit Bildern lachender Spreewälderinnen vor grüner Baumkulisse und unter blauem Himmel. Statt für die schon des öfteren gezeigten wendischen Trachten haben sich die Ausstellungsmacher um Museumschef Steffen Krestin für verschiedene Hauben in ihrer Vielgestalt entschieden. Dazu zeitgenössische Fotos und Ansichtskarten, die  (touristenfreundlich geschönte) Bilder ihrer Zeit überliefern. Und immer wieder geschriebene Augen-Eindrücke, sprich: Zitate, von Fontane.  Mit dem Modell einer monumentalen Holzskulptur des Cottbuser Bildhauers Hans-Georg Wagner wird an die Sage von der Entstehung des Spreewaldes  erinnert: Der Teufel mit dem Ochsengespann.

Fontane

Spreewald vereint in einer Ausstellung.

Die Fontane-Ausstellung im Cottbuser Stadtmuseum hat eine Besonderheit: Sozusagen zum landschaftlichen liefert sie auch noch „ein literarisches Kabinett-Stück”, indem sie schreibende Nachfahren würdigt. Von 1935 bis 1940 lebte der Schriftsteller Ehm Welk (1884 – 1966) in Lübbenau. Er entzog sich damit ein wenig den argwöhnischen Blicken der Nazis, die ihn wegen eines satirischen Artikels gemaßregelt hatten. Das Klima hier bekam ihm gut. Es entstanden in Lübbenau zwei Romane, die sich noch heute großer Beliebtheit erfreuen: „Die Heiden von Kummerow” und „Die Lebensuhr des Gottlieb Grambauer”.   Das war die Zeit, erfährt man in der Ausstellung, da die Landwirtschaft für viele Spreewälder zum Nebenerwerb wurde und sie sich nahen Industriebetrieben zuwandten. Eine große Cottbuser Fabrik feiert mit kompletter Belegschaft ihren 50.000. Teppich.

Zum „Kabinett-Stück” dieser Sonderausstellung gehört auch, dass wir die Entwicklung des Spreewaldes, die wir mit Fontanes Augen in den Blick genommen haben,  bis in unsere Tage verfolgen können. Der Schriftsteller-Reporter Landolf Scherzer hat mit seinen „Spreewaldfahrten” einen Situationsbericht aus der Zeit des Kraftwerksbaus geschrieben, der auf Landschaftsfrevel und Umweltschäden hinwies. Die Cottbuser Bildreporterlegende Erich Schutt, seit ein paar Tagen 88 Jahre alt, hat dabei mit seinen Fotos gezeigt, was verloren geht, wenn ein Stück Tradition verloren geht.

Klaus Wilke

Die Sonderausstellung ist bis zum 28. Juli im Stadtmuseum Cottbus, Bahnhofstraße 22, geöffnet.

 

Teilen.

Hinterlasse eine Antwort