Eröffnung der Ausstellung im Menschenrechtszentrum Cottbus: „Es war einmal die Mauer…“

 mit Malereien aus drei Jahrzehnten von SOOKI, Gino Kuhn und Matthias Koeppel

Am Tag der Deutschen Einheit wurde die Ausstellung „Es war einmal die Mauer…“ im ehemaligen Zellentrakt der Gedenkstätte Zuchthaus Cottbus eröffnet. Die Werke der Künstlerinnen und Künstler stehen symbolisch für die drei Jahrzehnte nach dem Mauerfall. Es sind ihre gesammelten eigenen Erfahrungen. Gino Kuhn war Fluchthelfer in Westberlin. Bei einer seiner Hilfsaktionen wurde er inhaftiert und zu zweieinhalb Jahren Haft verurteilt. Was in ihm zu dieser Zeit brodelte, hat er auf Papier gebracht. Wandert man durch den ehemaligen Zellentrakt des Menschenrechtzentrums, findet man in einigen Räumen Bilder von ihm. Ein Werk mit dem Titel „Freiheit für alle Gefangenen“ hängt ironischerweise an der Toilettentür einer Zelle. Auf der Malerei sind Menschen zu sehen, die aus einem vergitterten Fenster blicken. Die Botschaft erinnert an ein Bild im Eingangsbereich mit dem Namen „Karierte Wolken“. Die Farben sind sehr düster. Im selben Raum sind auch noch andere Bilder aus der Serie „Haft in Cottbus“ von Gino Kuhn zu sehen. Sie haben ein bisschen was von einer Kinderzeichnung, durch die schnellen Striche und die Farben, rot und grün, wirken sie unruhig und bedrückend. Sie zeigen die Zellen, der Fluchtpunkt lässt alles kleiner und immer enger werden. Die Proportionen sind wirr und chaotisch. Unbehagen keimt auf.

Weitere Werke des Malers, ebenso wie Bilder der anderen Beiden, sind über die Räume des Menschenrechtszentrums verstreut. Im 2. Stock findet sich die Hauptausstellung. Hier kann man die Botschaften der Künstler besonders auf sich wirken lassen. Sie hinterfragen soziale, politische und kulturelle Verhältnisse. Ein brennender Pfarrer, eine neokubistische Kanzlerin und ein riesiges Triptychon des Mauerfalls von Matthias Koeppel. Wieso gerade ein Triptychon?

Direkt unter einem Kreuz: ein Gemälde der Künstlerin Sooki. Darauf das „Hotel-Berlin“ oder vielmehr, was davon noch übrig ist. Eine riesige Baustelle, im Zentrum ein Trümmerhaufen und eine Ruine. Ganz in der Nähe die „Begrüßung“, ein bronzener General wird mit Hilfe eines Krans durch den Raum befördert, eine Frau blickt freudig, in der Hand ein winziges Deutschlandfähnlein, zu ihm empor.

Die Ausstellung zeigt viele skurrile, viele schöne und sicher auch spannende Werke, die alle kleine Geschichten erzählen. Neben der Ausstellung gibt es auch im Rest des Gebäudes sehr viel zu entdecken. Unter anderem eine VR-Brille, die einen selbst zum Gefangenen macht. Plötzlich ist man inmitten des Lagers, drum herum Menschen mit weiß angemalten Gesicherten, voller Furcht. Da ist auch eine Frau, die einen immerzu anbrüllt „Wer bist du“, will sie wissen. Es handelt sich hierbei um den Kurzfilm „Laogai – Umerziehung durch Arbeit“ den eine Jugendgruppe mithilfe des Regisseurs Erik Schiesko drehte.

Die Ausstellung „Es war einmal die Mauer…“ geht noch bis zum 30. November. Wer noch nie das Menschenrechtszentrum besucht hat, sollte diese Ausstellung zum Anlass nehmen, das nachzuholen.

Eljotta

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