Stadtrundgang in Luckau

…und der Zukunft zugewandt

Es war Sonntag, als der Autor sein Pferd sattelte (alter Ford Fiesta dunkelblau) und in den Norden der Niederlausitz ritt, um sich zu bilden. Luckau gehörte im 15. Jahrhundert zu den Hauptstädten der Niederlausitz. Man beachte den Plural, aber Łukow war anno dazumal eine große Nummer! Heute ist Luckau immerhin eine der flächengrößten Gemeinden Deutschlands, die Stadt selbst allerdings überschaubar. Der Hingucker ist die historische Altstadt, mit Stadtmauer, mit kleinen Gassen, mit stolzen Bürgerhäusern auf dem Marktplatz, einer alten Kirche und einem umsäumenden Stadtgraben. Es ist möglich, auf dem Graben zu paddeln. Unter 13 Brücken hindurch, einmal rundherum. Mir wurde gesagt: Kopf einziehen! Am besten geht der geneigte Besucher zur Kulturkirche, dort befindet sich die Touristen-Information. Hier gibt es einen kostenlosen Stadtplan, der sehr übersichtlich gestaltet ist. (Zu empfehlen ist die gotische Nikolaikirche. Orgel und Kanzel sind der Hammer.) Aber haaalt: Wer in der Kulturkirche Schrägstrich Tourist-Info angekommen ist, steht quasi mit beiden Beinen im skurrilen Unikum von Luckau.

1291 gründeten Dominikaner-Mönche ein Kloster. Nach einer gewissen Blütezeit leitete spätestens die

Gedenktafel am ehemaligen Zuchthaus

Reformation den Niedergang des Konvents ein. Die Stadt übernahm das „wüste“ Areal und etablierte 1747 ein Zucht- und Armenhaus. Die anfängliche Belegschaft: fünf Geisteskranke, fünf Arme und sieben Züchtlinge. Wir erkennen die trilaterale Nutzung des Gebäudes: Psychiatrie, Obdachlosenheim und Knast. Noch bis Ende des 19. Jahrhunderts wurden neben Kriminellen, auch die „Irren“,  „arbeitsscheuen“ und „unmoralischen“ Mitbürger weggesperrt. Während der Weimarer Republik, der Zeit des Nationalsozialismus und der frühen DDR-Jahre verbüßten zwar ausschließlich verurteilte Straftäter die Haft, nicht selten aber aus politischen Gründen. Namhafte Insassen waren Karl Liebknecht und Adolf Grimme. Karl Liebknecht saß fast zwei Jahre in Luckau und wurde kurz nach seiner Entlassung in Berlin ermordet. Über 250 Jahre blieb die Klosterkirche ein Gefängnis. Erst 2005 (!) wurden die letzten Häftlinge verlegt und die Strafanstalt geschlossen. Wer sich für den Wandel des Strafvollzugs interessiert, der ja mit dem Wandel von

Stadtmauer und Sankt-Nikolaikirche

Gesellschaften und ihren moralischen Erkenntnissen einhergeht, dem steht ein spannender Nachmittag bevor. Nachtrag zur Causa Liebknecht. Zum 50. Todestag wurde auf dem Marktplatz von Luckau 1969 eine überlebensgroße Liebknecht-Statue eingeweiht. Nach der Wende wurde die Bronzeplastik an die Stadtmauer umgesiedelt. Sagen wir es vorsichtig, das Denkmal ist am neuen Ort nicht mehr ganz so präsent… Auch das ist Geschichte.

Nachdem das Gefängnis abgewickelt wurde, entschied die Stadt aus dem Kloster/Knastgelände eine Kulturkirche zu gestalten. Sie verfügt über eine Bibliothek, einem Veranstaltungssaal, über erhaltene Gefängniszellen, in denen die Ausstellung zur Haftgeschichte zu sehen ist und dem Niederlausitzer Museum, dem Kernstück der Kulturkirche. Gezeigt werden Exponate aus unterschiedlichen Bereichen, die jeweils ein Stück Niederlausitzer Geschichte erzählen. Auch das überregional bekannte Cartoon-Museum befindet sich auf dem Gelände.

Im Jahr 2000 fand in Luckau die allererste Landesgartenschau Brandenburgs statt. Die Stadt legte damals

Christoph Donat-Orgel in der St.-Nikolaikirche

einen neun Hektar großen Stadtpark an und putzte sich an allen Ecken und Enden heraus. Das wirkt auch 20 Jahre später. Luckau geriert sich als Gartenstadt. Jedes Jahr im April wird ein Tulpenfest zelebriert.

Dann wäre noch das Napoleonhäuschen. Wenn eine alte Baute diesen Namen trägt, können wir vermuten, dass Napoleon Bonaparte in Luckau weilte? Yes, we can. Im Sommer 1813 wurden die französischen Truppen im „Gefecht bei Luckau“ vom preußischen Armeekorps unter General von Bülow zurückgedrängt und der Plan, auf Berlin vorzustoßen, vereitelt. In der Nacht zum 21. Juli 1813 übernachtete der französische Kaiser im Sommerhäuschen des reichsten Luckauer Bürgers, ein Kaufmann namens Vogt. In dieser Julinacht fror der Kaiser. Seiner Majestät wurde eine kupferne Wärmflasche gebracht. Diese Wärmflasche können wir heute noch in Luckau bewundern! Knaller, oder? (Man stelle sich vor, er hätte nach einer Bettpfanne verlangt…)      

Daniel Ratthei

Mein Tipp: Die Stadt Luckau bietet mehrere Touren als Stadtführung an. Sie tragen Titel wie „Klöster, Kirchen, Knäste“ oder „Gärten, Parks und Gemäuer“ oder eben „Auf Napoleons Spuren durch Luckau“. Bei Interesse in der Touristeninformation Luckau / Klosterkirche melden. Die Telefonnummer lautet 03544 – 30 50.  

 

 

 

 

 

 

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