Ein fremder Mensch, der sich nach Cottbus-Sachsendorf verirrt, wird sich dort vielleicht denken: Ach, diese vielen Plattenbauten hier, wie hoch die sind und nochmal ach, so schön sind sie ja auch gar nicht. „Schau nochmal hin“ möchte man dann sagen, denn so vergangen die Betonriesen auch sind und wie wenig sie durch schillerndes Antlitz bestechen, so schön können sie auch heute noch sein.

Einst als hochmoderne Baukunst angesehen – Zeichen für wohlständiges Wohnen der Mittelschicht – wird der Plattenbau schon lange eher skeptisch, wenn nicht sogar missgünstig betrachtet. Aber nicht nur Sachsendorf, viele stadtnahe Gebiete der neuen Bundesländer und auch einige Ostblockstaaten können genannt werden. In ihrer betonierten, massiven Einfachheit verstecken sich Plattenbauten in abgelegenen Stadtteilen und gelten dort meist als billiges Wohnestablishment – in Innenstädten sind hier und da noch Bruchstücke zu finden. Mit einem ganz anderen Blickwinkel geht Martin Maleschka auf diese Art der Baukultur ein. Der gebürtige Eisenhüttenstädter setzt sich in seinen Arbeiten mit eben solchen Motiven auseinander. Unter anderem unterwegs als Architekt, Dokumentarist und Fotograf, widmet er sich der baubezogenen Kunst, die sich vor allem durch praktische Bauweise, klare Linien aber auch gut gesetzte Akzente durch verschiedenste Materialien auszeichnet. So kommt es, dass die missgünstig betrachteten Betonbauten in ganz anderer Ästhetik erscheinen und sich mit ihren zahlreichen Details noch einmal neu betrachten lassen. Maleschka macht es sich dafür zur Aufgabe durch verschiedene Städte im Ostblock zu reisen, von Sarajewo, über Kiew nach Minsk, Krakau und Bratislava. Manchmal argwöhnisch beobachtet von Einheimischen, die dann aber doch neugierig in Erfahrung brachten, warum dieser junge Mann die zum Teil dem Verfall überlassenen Gebäude fotografieren möchte. In verschiedenen Blinkwinkeln sind es Gebäude oder auch kleinste Details, die hier in ganz neuem Licht erscheinen. Die osteuropäische Baukultur in Fotografien zu betrachten, in entspannter Atmosphäre der Cottbuser Galerie Fango, ist allemal einen Besuch wert.

Theresa Popp

 

Info

Noch bis Ende 2019: „Auf Stippvisite, Fotografien aus der osteuropäischen Baukultur“, Galerie Fango, Cottbus

 

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