oder: Wie variabel Bremer Stadtmusikanten sein können / Die Hummel gehört auch dazu

Das an Überraschungen nicht arme Musikleben in Cottbus erlebt in der letzten Februarwoche zwei Konzerte der besonderen Art. Im Staatstheater gastiert das Ensemble BRASSerie. Nur für einen ist es kein Gastauftritt, sondern ein Heimspiel: für Karl Berkel. Er gehört seit 2009  als Solotubist dem Philharmonischen Orchester des Staatstheaters an. Er war schon dabei, als 1999 fünf Freunde, alle Blechbläser, im rheinland-pfälzischen Schifferstadt ein Quintett gründeten und ihm den Namen BRASSerie gaben.

Wer von Karl Berkel redet, kommt meist auch bald auf Priscila zu sprechen. Priscila Baggio Simeoni, Brasilianerin von Geburt, ist seine Ehefrau, seit 2011 Orchesterkollegin und Duettpartnerin. Sie spielt die 2. Geige. Auf der BRASSerie-Webseite liest man, sie treibe Karl in den Groove, sporne ihn an, stehe mit Leidenschaft hinter ihm, gibt ihm die Kraft, von Cottbus aus die Fäden der BRASSerie Beats zu ziehen. Nur Trompeter Björn Bein arbeitet noch in Schifferstadt. Manuel Viehmann ist Solotrompeter in Bielefeld. Matthias Berkel, Karls Bruder,  Solohornist in Bremen und Konstantin Päßler ist Posaunist und hauptberuflich Marketingmanager für Luxusparfüms. Priscila, die alle kennt, weiß: „Das funktioniert, weil sie fünf beste Freunde sind.”

Nun kommen sie mit einem Konzert vorm Karneval, Titel: „UffgeBRASSt 5.1”. Über die Ziffern später. „Wir pflegen die Unterhaltungsmusik”, berichtet Karl Berkel. „Dabei machen wir vor keiner Stilrichtung halt. Wir haben alle Stücke selbst bearbeitet und und uns den Sound sozusagen selbst auf die Lippen geschrieben. Wir versprechen halsbrecherische Arrangements virtuoser Stücke, Bekanntes auf Neu gemacht, viel Überraschendes. Unser Spektrum reicht von  Pop über Filmmusik bis Rock, und ein BACH ist auch stets dabei.” Es lässt sich also sagen: Von Pop bis (Ba)Rock.

„Den Humor nicht vergessen”, ist Priscila wichtig, die aus einem Land kommt, in dem der Karneval großgeschrieben und eigentlich das ganze Jahr über gepflegt wird. „Konstantin ist nicht nur Posaunist, sondern auch der Moderator, der witzige Einfälle schier aus der Luft zaubert. Meist sagt er, ein Quintett bestehe aus vier bis sechs Musikern.” Was wie ein Kalauer von weither klingt, trifft auch diesmal zu. Die Gruppe hat sich für das Karnevalskonzert um einen Schlagzeuger verstärkt. Und der Witz ist, zu den fünf um den Cottbuser mit der Tuba kommt ein Saarbrücker namens Geza Huba (Die 1 im Konzerttitel).

Man müsste die BRASSerie noch mit ihren Preisen (Sieger beim Internationalen Veltins-Wettbewerb) und Reisen (u.a. eine China-Tournee) vorstellen und mit den Glanzpunkten ihres künstlerischen Werdens (Karl Berkel war mehrmals Sieger beim Bundeswettbewerb „Jugend musiziert”, hat wie seine Frau an prominenter Stelle studiert.), aber wir wollen ja noch Augen und Ohren für das zweite Konzert öffnen. Am Tage danach machen sie nicht weniger, als mit ihren fünf Instrumenten die Gebrüder Grimm zu korrigieren. Sie spielen „Die Bremer Stadtmusikanten – Wie es wirklich war”. Nein, es waren nicht vier, die gen Bremen zogen, sagen die Blasmusiker. Es waren fünf. Schließlich sind sie, die BRASSerie auch fünf. Wen die Grimms vergessen haben, das war die Hummel. Wenn die fliegt, dann klingt das wie die Tuba. So ziehen Mesut Esel (Horn), Bob der Hund (Trompete), Kater Donald Trumpet (Trompete), der Hahn Monsieur Coq au vin (Posaune) und Hans Hummel (Tuba) nach Norden. Bei den Grimms endet die Geschichte im Walde, nachdem die Räuber vertrieben sind. Das geht gar nicht, sagen die Musiker und lassen die wohlklingenden Tiere ihre Reise bis in die Hansestadt fortsetzen. Wie das musikalische Märchen vorgeführt wird, das erinnert ein wenig an „Peter und der Wolf”. Die Musiker scheuten keine Mühe und fanden viel Unterstützung dafür, dass aus ihrem Märchen ein richtiges Kinderbuch mit CD-Einspielung wurde. Der Vater der Berkel-Brüder, Eugen Berkel, Tonmeister und Hobbymaler, hat die Geschichte mit wunderbaren Aquarellen ins Bild gesetzt.

P.S.  Weil wir gerade bei Märchen sind: Wer im Theater „Das Traumfresserchen” gesehen hat, der hat auch Karl Berkel gesehen: Er war der Nachtwächter, der Mann mit der Tuba.

Klaus Wilke
Titelfoto: Priscila Baggio Simeoni und Karl Berkel.  Am 8. und 10. März sind sie wieder im Philharmonischen Konzert – drei Meisterwerke von Mozart – zu erleben. Foto: Marlies Kross

Info
UffgeBRASSt: 25. Februar, 19.30 Uhr, Theaterscheune
Die Bremer Stadtmusikanten: 26. Februar, 10 Uhr, Großes Haus.
Das Kinderbuch mit CD (25 EUR) kann über info@brasserie5.de oder über jeden online-Buchhandel bestellt oder am Konzerttag gekauft werden.

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