Weißwasser und Berlin, die ehemaligen Rivalen in der kleinsten Eishockey-Liga der Welt, der DDR-Oberliga,  sind inzwischen Partner und kooperieren unter anderem bei der Entwicklung von jungen Spielern. Bis 1989 war das anders. Jahrzehntelang duellierten sich Dynamo Weißwasser und Dynamo Berlin um den DDR-Meistertitel. Doch mit der deutschen Einheit waren die glorreichen Zeiten abrupt vorbei. Während die Berliner inzwischen wieder um Meistertitel kämpfen, hat sich Weißwasser in der 2. Bundesliga (DEL2) stabilisiert. Was passierte in den Wendejahren mit den Teams? Ein Überblick.

Am 8. Juni 1990 wurde vor allem auf Bestreben von Weißwassers Leiter Rüdiger Noack der Club von Dynamo Weißwasser in Polizei-Eishockey-Verein (PEV) umbenannt. Noack war der nicht ganz unberechtigten Überzeugung, dass „Dynamo“ ein negatives Image als Polizei-und Stasisportorganisation anhängt. In dieser Zeit kam auch das Maskottchen der Weißwasseraner, der Fuchs, in das Vereinslogo. In Berlin wurde ein solcher radikaler Schritt komplett abgelehnt. Der damalige Verantwortliche, Dieter Waschitowitz, verwies auf die großen Erfolge, die unter dem Namen Dynamo Berlin errungen worden waren. Deshalb gab es auch nur eine „sanfte“ Umbenennung in EHC Dynamo Berlin.

Foto: Mathias Renner

Deutscher Meister 2013 – Foto: Mathias Renner

Viel schwieriger war aber die Suche nach der Liga, in der die beiden Mannschaft spielen sollten. Zunächst war vorgesehen, dass Weißwasser und Berlin in der 2. Bundesliga Nord antreten sollten. Weil die Funktionäre in Ost und West aber wochenlang stritten, gab es auf dem Verbandstag des Deutschen Eishockey-Bundes (DEB) am 11. Mai 1990 eine überraschende Entscheidung. Die Teams der ersten Liga sprachen sich einstimmig dafür aus, die beiden Clubs ab September 1990 im Spielbetrieb der 1. Bundesliga antreten zu lassen.

Nach nur vier Monaten Vorbereitung wurden Berlin und Weißwasser in das kalte Wasser 1. Bundesliga geworfen. Trotz enormen Einsatzes und großer Leidenschaft lief sportlich nicht viel zusammen. Die Spieler waren es einfach nicht gewohnt, zweimal am Wochenende aufzulaufen und lange Zeit zu reisen. Am Ende der Saison standen sich der PEV und der EHC in den Play-downs gegenüber. In dieser Serie folgte ein letzter großer Triumph über den ewigen Rivalen aus der Hauptstadt. Weißwasser schoss Berlin in die 2. Liga.

Da abzusehen war, dass das Innenministerium der DDR in naher Zukunft nicht mehr die Gehälter zahlen würde, wurde das Team in Weißwasser am 8. August 1991 erneut umbenannt und hieß fortan Eissport Weißwasser e. V. Die Berliner, zwar abgestiegen, erwirtschafteten in ihrer Premierensaison rund 200.000 D-Mark Gewinn. Damit konnte ein Großteil des Kaders gehalten werden. Unter Trainer Hartmut Nickel gelang im darauffolgenden Jahr die Rückkehr in die 1. Bundesliga. Aus Sorge, der eng mit der DDR verbundene Name „Dynamo“ würde Sponsoren verschrecken, nannte sich der Verein ab 1992 offiziell „EHC Eisbären Berlin e.V.“ – das „Dynamo“ verschwand aus allem Offiziellen, wurde jedoch von den Fans weiter skandiert.

Für die Füchse hieß es nach der Saison 1991/92: Abstieg. Der konnte diesmal nur aufgrund des Rückzuges von Eintracht Frankfurt am grünen Tisch verhindert werden. In der Saison 1992/93 folgte dann doch der Abschied aus dem Oberhaus. Und die Wege von Weißwasser und Berlin trennten sich wieder. Einmal kamen sie aber noch zusammen.

1994 stand das deutsche Eishockey vor einem radikalen Umbruch. Die Deutsche Eishockey-Liga (DEL) wurde gegründet. Statt Vereinen spielten dort Kapitalgesellschaften mit – eine reine Profiliga war also entstanden. Auch Weißwasser und Berlin bewarben sich um eine Lizenz. Diese wurde beiden Teams aber zunächst verweigert. Erst durch den Gang vor das DEB-Schiedsgericht wurde die Spielerlaubnis erteilt. Berlin musste aber vorweisen, dass man einen deutlichen Schuldenabbau unternimmt. Weißwasser erhielt die Lizenz nur, weil mit Jägermeister ein Sponsor gefunden wurde, der 1,2 Millionen D-Mark investieren wollte.

Das erste Füchse-Team nach der Wende

Foto: Füchse Weißwasser – Das erste Füchse-Team nach der Wende

Nach zwei Jahren DEL ging das Kapitel 1. Liga für Weißwasser zu Ende. Im Raum stand ein Umzug nach Chemnitz, auch Bautzen war kurz im Gespräch. Profi-Eishockey auf diesem Niveau war laut der damaligen Geschäftsführung in einer strukturschwachen Region rund um Weißwasser nicht machbar. Die DEL-Lizenz wurde deshalb im Frühjahr 1996 zurückgegeben. Mit einer kurzen Unterbrechung spielen die Füchse seit dieser Zeit fast ununterbrochen in der 2. Bundesliga.

In Berlin begann in dieser Zeit der Aufschwung. Da nach dem Bosman-Urteil unbegrenzt Ausländer eingesetzt werden konnten, tauschten die Eisbären fast den kompletten Kader aus und erreichten in der Saison 1996/97 das Halbfinale. Seit dem Sommer 1996 gab es nur noch ein Pflichtspiel im ewigen Dynamo-Duell. Am 25.Oktober 2005 kam es in der zweiten Runde des DEB-Pokals zum Aufeinandertreffen von Weißwasser und Berlin. Bis wenige Sekunden vor Schluss führten die Füchse mit 3:2, ehe dem mit Junioren verstärkten Hauptstadtteam noch der Ausgleich gelang. In der Verlängerung setzten sich dann die Eisbären durch.

af
Titelfoto: Füchse Weißwasser

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