Besuch beim Japanischen Teehäuschen

Der Japanische Pavillon erhält dieser Tage besondere Aufmerksamkeit und auch dieser Artikel möchte dazu beitragen, das Cottbuser Kleinod ins Bewusstsein zu rücken. Schließlich haben wir im Herzen der City ein Denkmal, das eigentlich Vorzeigeobjekt bei jeder Stadtführung sein sollte. Es ist ja nicht so, als würde Cottbus vor Sehenswürdigkeiten überquellen.

Dass der wunderschöne Standort für alle zugänglich ist und zum Verweilen einlädt, ist eben so eine Sache. Sauf- und Drogenpartys, Schlägereien, Vandalismus und Schmierereien begleiten das Teehäuschen seit Jahren. Ich treffe mich mit dem Anwohner Holger Kretzschmar. Einige Tage zuvor erhielt der Pavillon eine Denkmalplakette. Der Pavillon steht also nun unter Denkmalschutz. Das Areal wurde gesäubert und der Sockel neu gestrichen. Etwa 20 Cottbuser haben beim Frühjahrsputz am Teehäuschen mit angefasst, dabei war auch Oberbürgermeister Holger Kelch. Beim Treff stellen wir fest, dass eine der frisch abgeschliffenen Säulen erneut beschmiert wurde. Es ist offensichtlich eine Sisyphos-Arbeit, wenn man anfängt sich ums Teehäuschen zu kümmern. Man säubert es, es wird beschmiert, man säubert es, es wird beschmiert, man säubert es, es wird …

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Frühjahrsputz am Pavillon. Foto: TSPV

Holger Kretzschmar ist kein Beamter der Stadt, der sich ums Teehäuschen kümmert, einfach weil es seine Arbeit ist. Herr Kretzschmar ist ein Privatmann, der um die Ecke wohnt und dem der Japanische Pavillon eben gefällt und nicht egal ist. Die Geschichte vom Pavillon ist also auch ein bisschen seine Geschichte. Der gebürtige Dresdner arbeitet in einem Berliner Reisebuchverlag und kommt rum, wie man so schön sagt. Demnächst geht es für eine Weile nach Aserbaidschan. Die Reiseführer müssen schließlich immer wieder aktualisiert werden. Dass trotzdem noch Zeit für das Teehäuschen bleibt, ist erstaunlich, aber so ist es wohl mit Herzensangelegenheiten, sie stiften Sinn und Kraft.

Im Juni gibt es eine Veranstaltung, bei der das schon 1906 eingeweihte Häuschen eine Rolle spielt. Am Donnerstag, 6. Juni, findet abends der Modellstadtrundgang statt und endet gegen 21.30 Uhr am Pavillon. Es werden wieder mehrere hundert Spaziergänger erwartet. Das Teehäuschen wird illuminiert, dazu gibt es Imbiss und Getränke. Beim Modellstadtrundgang wird auch ein Quarzschieferstein mit Info-Text über das Häuschen eingeweiht. Den Text hat Holger Kretzschmar mit entworfen und ebenso historische Postkarten vom Pavillon organisiert.

Ein Blickfang dahinter ist auch das Jugendstilhaus in der Töpferstraße. Wer Lust auf guten Tee verspürt, muss nicht weit laufen. Hagen Stoletzki vom Oblomov Tee-Laden ist einer der aktiven ehrenamtlichen Helfer und Freunde des Pavillons. Die Verbindung von Teehäuschen und die wenige Meter entfernte Teestube könnte man gar nicht besser erfinden. Vielleicht – so die allgemeine Hoffnung – schaltet der/die ein oder andere sein Gehirn ein und lässt die Spraydose in der Tasche. Genug Farbe für den Sockel ist noch im Keller und einige entschlossene Leute sind bereit, den Stein des Sisyphos wieder und wieder den Hang hinaufzurollen, sprich, den Sockel erneut zu streichen.

Daniel Ratthei

 

Mein Tipp: Entschleunigung für Zwischendurch. Spazieren gehen, Pavillon kieken, Tee trinken. Der Japanische Pavillon befindet sich gegenüber der Stadthalle Cottbus, am Eingang des Puschkinparks.  

 

 

 

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