Ausflug zur Steinitzer Treppe

Gewöhnlich steht man sonntags vor der Frage: Was machen wir denn heute? Hat jemand eine Idee? Nichts Großes, nichts Tagfüllendes soll es sein, aber eine nette Landestelle gibt dem Tag Struktur. Bei solchen Überlegungen am Frühstückstisch kann ein Familienmitglied unerwartet punkten, wenn es den Satz äußert: „Fahren wir doch zur Steinitzer Treppe!“ Eingetütet und gebongt.

Steinitz selbst ist ein typisches Niederlausitzer Dorf, das wie viele mit ähnlichen Geschichten aufwartet: Mit sorbischer Kultur, mit LPG-Vita, mit Eingemeindung und mit der Bedrohung vor der allesfressenden Braunkohleförderung. Der Ort liegt eingebettet in den sogenannten Steinitzer Alpen – ja Alpen – welche immerhin bis zu 160 Höhenmeter aufweisen. Das besondere ist nun der aktive Tagebau Welzow-Süd, der quasi direkt vor der Haustür liegt. Egal wie der Einzelne persönlich zu dem großen politischen Thema unserer Zeit Klimarettung versus Braunkohle steht, wer genauer wissen will, worüber eigentlich diskutiert wird, der hat in Steinitz ausreichend Gelegenheit, ein Corpus Delicti zu begutachten. Die Steinitzer Treppe nämlich ist eine 2012 eröffnete Aussichtsplattform, welche vor allem den Tagebau und die Versuche der Rekultivierung zur Schau stellt. Das sandige Gelände ist mit der Beschreibung Mondlandschaft durchaus getroffen. Wer eine Kulisse für seinen Endzeitstreifen benötigt, bitteschön… Bei optimalen Verhältnissen soll der Blick bis zum 56 Kilometer entfernten Tropical Island möglich sein. Die Treppe ist ein 117 Tonnen schweres Stahlgerüst und erinnert bewusst an den Ausleger einer Förderbrücke im Braunkohletagebau.

Neben der Steinitzer Treppe.

Wer ein Fernglas hat, kann es hier endlich einmal einsetzen. Die 101 Stufen hinauf sind über ein Drehkreuz zugänglich. Es werden Zwei Euro-Münzen benötigt. Ein Schrägaufzug gibt auch bewegungseingeschränkten Besuchern die Möglichkeit zur Weitschau. Ein Werbebanner verheißt schwindelfreien Menschen ein Kursangebot, sich von der Plattform abzuseilen. Für die weniger Mutigen lohnt sich der gemütliche Spaziergang ins Tal, um im Dreiseitenhof einzukehren und selbstgemachte Plinse zu verspeisen. Auf dem Steinitzhof gibt es neben dem Gaststättenbereich auch einen Hofladen und einen Ausstellungsraum. Zur Zeit werden dort unter anderem historische Kinderwagen gezeigt. Seit diesem Jahr wurde sogar ein Trauzimmer eingerichtet. Es kann also in ländlicher Idylle geheiratet werden (denn Steinitz wirkt wie eine „grüne Grenze“ zum Tagebau). Ein Spielplatz gibt den Kleinen Unterhaltung und den Großen ihre Ruhe. Kurzum, beim Spontantrip nach Steinitz ist für alle etwas dabei.

Daniel Ratthei

Mein Tipp: Die Ausstellung ist Dienstag bis Freitag von 10-17 Uhr geöffnet. Am Wochenende von 11-17 Uhr. Ein schöner Spaziergang ist der Weg vom Steinitzhof vorbei an der alten Dorfkirche zum nahegelegenen Görigker See. Steinitz liegt etwa einen Kilometer südlich von Drebkau und ist mit dem Auto von Cottbus über die B169 und von Görlitz über die B115 und B156 zu erreichen. Wer auf dem Rückweg – auf der L52 in Richtung Spremberg, kurz hinter Rehnsdorf – noch Zeit und Lust hat, kann auf dem Buckwitzberg Halt machen und sich zutage geförderte rund 180 Millionen Jahre alte Findlinge anschauen.

 

 

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