Theodor Fontane über Carl Blechen

Da ist der gebürtige Cottbuser Carl Blechen, Landschaftsmaler und Professor für Landschaftsmalerei.

Selbstporträt-CARL-BLECHEN-

Carl Blechen, Selbstbildnis mit Palette, um 1837.
Öl auf Holz; 49 x 39 cm. Leihgabe der Ernst von Siemens Kunststiftung an die SFPM
©Stiftung Fürst-Pückler-Museum/Peter Most Theodor

Ein Künstler aus der Epoche der Romantik, dessen Bilder ganz besonders von den Farb- und Lichteffekten leben. Sein Stil war jedoch wenig romantisierend, sondern entsprach einem neuen Realismus. Eben dafür wurde er gefeiert, aber auch stark kritisiert.

Daneben ist der Schriftsteller Theodor Fontane, geboren in Neuruppin. Autor von bekannten Büchern wie Effie Briest, Irrungen, Wirrungen, der Stechlin oder Stine. Was verbindet die beiden miteinander, außer, dass beide in Brandenburg das Licht der Welt erblickten und eine gewisse Leidenschaft für ihre Heimat zeigten?

Um es plump zu formulieren, Fontane war ein Fan von Blechen. Er schätze dessen Arbeit und plante eine Biografie über den Künstler. So begann er, alles über den Maler zu sammeln. Er befragte Künstlerkollegen, erstellte Listen über die Bilder, hortete alte Briefe und kommentierte vieler seine Zeichnungen und Malereien. Von einigen schien er begeistert – einen schlafenden Fuchs bezeichnete er zum Beispiel als „gar vorzüglich“ und „wundervoll“, während er das Bild mit dem Titel „Schlucht bei Amalfi“ mit dem Kommentar „hübsch, aber nicht sehr“ betitelte. Ein anderes Werk, einen Bauernjungen, der bitterlich weint, weil er in den Dreck gefallen zu sein scheint, beschreibt er als sowohl einfach, als auch grotesk humoristisch. Ganz offenkundig, erfreut er sich jedoch an diesem Bild. Seine Materialsammlung umfasste etwa 200 Seiten. Trotz der Arbeit, die Fontane in seine Recherchen steckte, entstand hieraus nie die prophezeite Schrift.

Heute dienen diese Aufzeichnungen, bzw. das, was davon übriggeblieben ist, als Aufhänger für die Ausstellung „Am größten und genialsten ist er in seinen Skizzen“ im Besucherzentrum im Park und Schloss Branitz.  Hier kann man nicht nur einen Einblick in Fontanes imaginäres Wohnzimmer werfen, sondern auch Bilder betrachten, die er für eine mögliche Galerie aufgelistet, und mit teilweise amüsanten Kommentaren versehen hat.

Natürlich hat Fontane nicht nur Buch über Carl Blechen geführt, sondern viele seine Begegnungen auf Wanderschaft niedergeschrieben. Er agierte außerdem als Kriegsberichterstatter, als Theater- und Kunstkritiker, führte Tagebuch und schrieb Gedichte. Wer eines von Fontanes Werken gelesen hat, weiß um seine Wortgewandtheit und hat vielleicht eine ungefähre Vorstellung von dem, was in diesen Notizbüchern verborgen sein könnte.  Bereits jetzt existiert eine Online Edition (fontane-nb.dariah.eu) der 67 Notizbücher, die auch viel Neues über den Schreiberling zu Tage fördern. Z.B. dass er gar nicht so sehr gewandert, sondern viel mehr gefahren ist und auch einige andere Textstellen der „Wanderungen durch die Mark Brandenburg“ nicht so biografisch zunehmen sind, wie von manch einem gedacht. Sicherlich ist schon der ein oder andere begeisterte Leser mit Fontanes Aufzeichnungen auf Exkursion gegangen, um dann feststellen zu müssen, dass seine Beschreibung mit der Realität nicht allzu viel zu tun haben.

Gabriele Radecke

Dr. Gabriele Redecke, Foto: Klaus-Peter Möller, Potsdam, 20121.

Frau Prof. Dr. Gabriele Radecke, Leiterin der Theodor Fontane-Arbeitsstelle an der Universität Göttingen, wird zu Theodor Fontanes Notizbüchern einen Vortrag mit dem Titel „Schneiden, Kleben und Skizzieren“ halten und noch mehr der Geheimnisse dieser Notizbücher lüften.

„Am größten und genialsten ist er wohl in seinen Skizzen“
Theodor Fontane und Carl Blechen

noch bis 31. Oktober 2019 täglich von 10 – 17 Uhr
Besucherzentrum im Park und Schloss Branitz
Preise: 4,50 € ermäßigt 3,50 €

Vortrag von Prof. Dr. Gabriele Radecke
„Schneiden, Kleben und Skizzieren – Theodor Fontanes Notizbücher“ | 21. August, 18.30 Uhr

www.pueckler-museum.eu[/toggle]

LB

 

 

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