SNE gastiert in Cottbus mit Tanzstück „Für Maria – Mitten in der Nacht”

Maria Grollmuß auf der DDR-Briefmarke 1959

Maria Grollmuß auf der DDR-Briefmarke 1959

Das Sorbische National-Ensemble (SNE) präsentiert bei einem Gastspiel in Cottbus sein neues Tanzstück „Für Maria – Mitte der Nacht” zu Ehren von Dr. Maria Grollmuß, der sorbischen Journalistin und Philosophin, die vor 75 Jahren in Ravensbrück zu Tode kam. Begleitet werden die Tänzerinnen und Tänzer von Chor und Orchester des SNE. Die musikalische Leitung liegt in den Händen von Judith Kubitz. Langjährige Cottbuser Konzertbesucher erinnern sich an die agile Frau am Dirigentenpult. Von 2003 bis 2007 wirkte sie im Staatstheater Cottbus als 1. Kapellmeisterin. Über die Stationen Schwerin (1. Kapellmeisterin) und Baden-Baden (Dirigentin in der Philharmonie) kam sie zurück in ihre Geburtsstadt Bautzen, wo sie seit 2018 Intendantin des Sorbischen National-Ensembles ist.

Ausgangspunkt einer choreographischen Erkundung wird in diesem Tanzstück die Frage: Wie können Menschen in finstersten Zeiten ihre Menschlichkeit bewahren? Die engagierte Lehrerin, Journalistin und Philosophin Dr. Maria Grollmuß weigerte sich – gemeinsam mit ihren Mitgefangenen –

Szene aus dem Ballett „Für Maria - Mitten in der Nacht” Foto: Martin Pižga

Szene aus dem Ballett „Für Maria – Mitten in der Nacht”
Foto: Martin Pižga

im Konzentrationslager Opfer zu sein. Um sich nicht geistig zerstören zu lassen, mobilisierten sie Erinnerungen, Tänze, Musik, Märchen und alte Glaubensinhalte, die in der Katastrophe ganz neu Bedeutung gewannen.

Dieser Thematik widmet sich der Abend mit zwei Kompositionen des vor 60 Jahren verstorbenen Bohuslav Martinů. Zum einen mit der Musik zum Ballett „Špaliček“, dem frechen Märchen vom Schuster, dem es gelingt, die Kräfte der Zerstörung, Tod und Teufel zu foppen. Zum anderen verleiht die „Feldmesse” Martinůs von 1939 dem Ruf aus großer Verlassenheit in einen hoffentlich nicht leeren Himmel anrührenden Ausdruck.

Die Briefe, die Maria Grollmuß aus der Gefangenschaft an ihre Schwester schickte, führen ein Eigenleben.

Fragmente entfalten und verdichten sich zu einem anspielungsreichen Geflecht, das durchaus auch von heute spricht. Sie werden von der Schauspielerin Gabriela Maria Schmeide gelesen. Die Choreografie von Mia Facchinelli erzält von Nachdenklichkeit und sich immer wieder meldendem Lebensübermut, von trotziger Selbstbehauptung und Selbstvergewisserung – und das in größter Bedrängnis.

Gastspiel: 26.10. um 19.00 Uhr in Cottbus, Piccolo Theater; 18.30 Uhr Stückeinführung durch Regisseur Wilfried Buchholz.

Karten: 12/ermäßigt 8 EUR im Vorverkauf in der Sorbischen Kulturinformation Lodka, Cottbus, August-Bebel-Straße 82, und im Piccolo Theater.

Abendkasse: 14/10 EUR.

Extra-Tipp

An diesem Abend kann auch nach dem Ende des Balletts weiter sorbische Kultur erlebt werden. Im Gladhouse Cottbus findet ab 20.00 Uhr das Live-Konzert und Folktanzparty „SERBPOP“ des RBB statt. Der Eintritt ist frei. Mehr darüber an anderer Stelle dieses HERMANN-Heftes.

 

 

 

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