Eine der Hauptattraktionen im Schloss Branitz, die Orienträume des Fürsten Pückler, wurde am 28. November wieder in den Schloss-Rundgang eingefügt.

Seit Frühjahr sollten sie ursprünglich schon fertig restauriert sein. Weil sich während der Restaurierung jedoch herausstellte, dass die Wände schadstoffbelastet sind, wurden die Arbeiten vorerst unterbrochen. Bei Farben, die im 19. Jahrhundert auf die Wände gebracht wurden, ist eine derartige Belastung allerdings nicht ungewöhnlich. Gesundheitliche Bedenken müssen Besucher jedoch nicht haben, da ein Gutachten ergab, dass keinerlei Gefährdung besteht, insofern an den Wänden nicht gearbeitet wird.

Damit Schlossbesucher die Orienträume wieder betrachten können, hat sich die Stiftung Fürst-Pückler-Museum Park und Schloss Branitz zu einer Zwischenöffnung entschlossen. Bereichert wird sie durch eine Ausstellung, die den Prozess der Restaurierung erhellt und Möglichkeiten unterschiedlicher Restaurierungsmaßnahmen auslotet.

Pückler hatte die drei Räume als Rückzugsort und für die Aufnahme seiner Orientalika-Sammlung zwischen 1852 bis 1862 als „Türkisches Kabinett“, „Türkisches Zimmer“ und „Pfeifenkabinett“ ausstatten lassen.

Von der ursprünglichen Ausstattung der Räume ist jedoch wenig erhalten. Inventarlisten und Bildquellen, die Auskunft über die Beschaffenheit des Mobiliars, der Kunstgegenstände und Raumtextilien geben könnten, fehlen. Um die Lebenswelt des Fürsten Pückler erlebbar zu machen, sollen die Räume Interieurcharakter bekommen. Aber wie geht man mit dem Verlust an Substanz und Wissen um?

Posamente, wie beispielsweise Borten, Kordeln oder Quasten, wurden nach Mustern aus dem Branitzer Bestand kopiert. Anhand französischer Dessins der von Pückler abonnierten Zeitschrift „Le Garde-Meuble“ wurden textile Ausstattungen für Fenster und Türen entwickelt. Fragmente des Tabakpfeifenregals wurden ergänzt und an der Wand sind, wie einst, wieder orientalische Waffen arrangiert. Diese waren nach Kriegsende 1945 im Branitzer Schlossteich versenkt und zwölf Jahre später geborgen worden.

Im Türkischen Zimmer lädt statt eines Divans nun eine nach historischem Vorbild gefertigte Rundbank zum Verweilen ein. Von hier aus hat der Besucher einen Rundumblick auf die farbenprächtige Dekorationsmalerei an den Wänden, mit Muster von Orientteppichen und stilisierten floralen Motiven. Diese Dekorationsmalereien in den Orienträumen zählen heute übrigens zu den wenigen erhaltenen Beispielen des 19. Jahrhunderts.

Die Restaurierung möchte die Stiftung möglichst im nächsten Jahr fortsetzen. Bis dahin empfiehlt es sich, die Zeit für einen Besuch der Orienträume zu nutzen.

 

CWJ/SFPM                                                                                                                                

 

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